Aktuelles >> Innere Stadt >> Positionspapier 19.11.2010 / 28.02.2011

Anregungen zum Masterplan

 Zum Ziel > Kernstadt als urbanen Lebensraum stärken<

1. Dezentrale Gliederung

Die Siedlungsstruktur der Stadt Bonn ist seit der Raumordnung 1969 polyzentrisch ausgelegt. Neben der Kernstadt Bonn und dessen Oberzentrum bestehen die Stadtbezirke Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg mit vergleichsweise starken Zentren der ehemals selbständigen Städte, deren Funktionen in der Nahversorgung durch historisch gewachsene Ortskerne und Einzelhandelsschwerpunkte ergänzt werden.

Wenn auch von Alt – Bonn die stärksten Entwicklungsimpulse ausgehen, so ist dennoch die Balance in der funktionalen Aufgabenteilung zwischen dem Oberzentrum und den nachgeordneten Zentren von großer Bedeutung für die Bewohner der einzelnen Stadtbezirke.

Insofern bedarf der Masterplan zunächst einer Abklärung der zwischen Kernstadt und Stadtbezirken bzw. deren Zentren bestehenden Wechselwirkungen, um so die Ansätze für die Kernstadt gesamtstädtisch zu unterlegen.

 

2. Siedlungsraum Innere Stadt

Da die Siedlungsentwicklung mit Ausnahme des UNI – Campus in Poppelsdorf im Stadtgefüge des Masterplanbereichs keinen Spielraum mehr hat, wird der Schwerpunkt der Masterplanung in Vorschlägen zu anstehenden Umstrukturierungen im städtebaulich - funktionalen, räumlich - gestalterischen und allgemein aufwertenden Maßnahmen gesehen.

Der Siedlungsraum ist geschichtlich ablesbar gegliedert:

- Der historische Stadtkern in den Grenzen der ehemaligen Stadtmauer und Bastionen des 19.JH.

- Die kurfürstliche Barockachse vom Blickpunkt Kreuzberg über Poppelsdorfer Schloss mit Botanischem Garten, Allee, Kaiserplatz mit neuzeitlicher Querachse zum Hauptbahnhof, Stadtschloss ( UNI ) mit Hofgarten und Aussichtspunkt Alter Zoll auf Rhein und Siebengebirge

- Die gründerzeitlichen Stadterweiterungen des 19.Jh.: Südstadt, Poppelsdorf, Nordstadt

- Die Reutersiedlung von Max Taut ( 1952 ) in der Südstadt.

Aus Sicht des Arbeitskreises müssen die charakteristischen Eigenarten dieser im wesentlichen authentischen Gebiete sowohl im Grundriss wie in Bezug auf die erhaltenswerten Ensembles u. Einzelgebäude, Plätze u. Straßenzüge sowie deren Durchgrünung auch im Wandel der Stadt prägend bleiben.

3. Die Stadtsilhouette

Von der Beueler Seite aus bietet sich entlang der Bonner Rheinpromenade eine weitgehend gleichmäßige durchschnittlich max. 20 m hohe Baukontur, deren Dachlandschaft, belebt durch Baumbestand, von den Türmen der Kirchen und des Stadtschlosses überragt wird.

Das Stadthochhaus hat aufgrund seiner baulichen Masse einen neuen Maßstab gesetzt, der deutlich die nur von einzelnen schlanken Türmen überragte homogene Dachlandschaft durchbricht.

Die Stadt in den Abmessungen der Barockzeit lässt sich mit der erhaltenen Bastion >Alter Zoll< nach Süden hin und im Norden an der markant geschwungenen Dachform der >Beethovenhalle<, unter der die Bastion St. Michael begraben liegt, recht gut ablesen.

Im Innenstadtbereich selbst wird die Maßstäblichkeit durch die Cassiusbastei und die Südüberbauung am Hauptbahnhof durchbrochen. Zudem wird das räumliche Gefüge durch das >Bonner Loch< und die Enge vor dem Bahnhof empfindlich gestört.

Der Arbeitkreis sieht in der Erhaltung des maßstäblich geprägten Stadtbildes ein wesentliches Element der Planungsaufgabe, in der das Stadthochhaus ein Solitär bleiben sollte.

4. Der Innenstadtbereich

Nordstadt

Das Bonner Zentrum bleibt im wesentlichen auf den Kern der mittelalterlichen Stadt konzentriert, da der Straßenzug Bertha- von- Suttner- Platz/ Oxfordstraße eine Verkehrsschneise in das ehemals homogene Stadtgefüge schlägt , die den nördlichen Teil von der City abtrennt.

Die Überwindung der Trennwirkung zugunsten eines Zusammenwachsens mit den nördlichen Quartieren eröffnet mögliche Erweiterungen der Cityfunktionen einerseits, aber auch eine Aufwertung der reinen Verkehrsanlagen in eine urbane Avenue.

In der Folge wird eine attraktivere Einbindung des Standortbereichs Wilhelmstraße ermöglicht, indem die strukturellen Wandlungen wie Auslagerung der UNI – Klinik, Finanzamt, VHS; Stadtwerke etc. zum Aufbau eines großzügig durchgrünten multifunktionalen Quartiers für Handel, Dienstleistungen und Wohnen mit dem Mittelpunkt >Stiftskirche – Stiftsplatz< ( mit besserem räumlichen Zusammenhang ) genutzt werden können.

Dabei sollte die Kontur des ehemaligen Glacis der barocken Stadtbefestigung vom Annagraben bis zur Wachsbleiche begleitend in eine grünräumliche Konzeption aufgenommen werden.

Ziel sollte sein, dass ausgehend von Cassius- und Florentiusgraben, die alte barocke Stadtbefestigung, die hinter Windeckstraße und Justiz noch sichtbar ist, in ihrem Verlauf bis zum Rhein hin im Stadtbild nachvollziehbar ablesbar wird.

Das Stadthaus ist als ’die’ Adresse der Stadtverwaltung funktional durchaus etabliert, wenn auch die Wucht der alles überragenden Baumasse bei den Bürgern wenig Anklang findet.

Der Standort im Zentrum ist geeignet für die zentralen, öffentlichkeitsrelevanten Aufgaben, die darauf kaum ausgerichteten Ämter könnten auch dezentral in den Stadtbezirken oder an neutralen Standorten fungieren.

Eine differenzierte Betrachtung könnte ergeben, dass ein Teilrückbau oder eine teilweise anderweitige Nutzung zweckmäßiger wäre, als die diskutierte Verlagerung insgesamt.

Das Stadthaus symbolisiert die große Zeit der Rathausneubauten in der Bundesrepublik auf durchaus markante Weise – und als einziges solitäres Hochhaus in d der Innenstadt Bonns auch das Selbstbewusstsein seiner Stadtväter

Innenstadt

Die Fußgängerzone umfasst die ehemals von der mittelalterlichen Stadtmauer umringte Altstadt, die vom Cityring korsettartig umgürtet wird. Die daran angeschlossenen öffentlichen Tiefgaragen sind je nach Anfahrrichtung gut oder nur auf Umwegen zu erreichen.

Dabei wird der sensible Bahnhofsbereich besonders belastet.

Eine direkte verkehrliche IV - Anbindung der westlichen Südstadt an die City ist nicht vorhanden, wodurch erheblicher Zusatzverkehr entsteht oder andere Orientierungen bevorzugt werden.

Es wird daher angeregt, den Cityring aufzulösen zugunsten einer Verkehrsführung, die Umwegfahrten reduziert, den ÖPNV durch Neugestaltung des ZOB optimiert sowie die durch die Bahnbarriere abgeschnittenen Wohnbezirke von Poppelsdorf und Südstadt verkehrlich besser an die City anschließt

Zu prüfen ist die Unterbrechung des Durchgangsverkehrs vor dem Bahnhof mit entsprechenden Wendemöglichkeiten im Rahmen der städtebaulichen Konzeption Schmitz, allerdings mit dem Abstand einer neuen Südüberbauung von 27 m zum Bahnhofsgebäude, ein Grundanliegen der Bonner Bürgerschaft und des Arbeitskreises.

Die mangelhafte Öffnung der Altstadt hin zum Rhein bedarf eines durchgehend neuen Ansatzes, zu dem auch die Wiederaufnahme der Wettbewerbsideen zum Thema >Wasserbahnhof< und eine in Richtung Flaniermeile verkehrsberuhigte Rheinpromenade gehört.

5. Musikstadt Bonn

Der Arbeitskreis tritt für die endgültige Erhaltung und Nutzung der denkmalgeschützten Beethovenhalle ein, nicht ohne deren Konzertsaal und Nebenräume einer umfassenden Sanierung zu unterziehen.

Neufassung 28.02.11:

>Der Standortbereichwird im Sinne des Antrags auf Unterschutzstellung auch der Außenanlagen durch den Landeskonservator als ein geschlossenes Gesamtensemble gesehen, das eine hervorragende Bauleistung der 50 er – Jahre in Architektur und Landschaftsplanung repräsentiert. Dieses muss in der Originalqualität wiederhergestellt und bewahrt werden. Das Areal südlich der Theaterstraße, z. Z. bebaut mit einem Studentenheim, das evtl. aufgegeben bzw. verlagert werden soll, böte sich, wie bereits angeregt ( Einbeziehung des Areals südlich der Theaterstraße prüfen ), als Standort für einen kleinen Konzertsaal für ca. 600 Zuhörer einschl. zusätzlicher Einrichtungen an - funktional verbunden mit der Beethovenhalle im Sinne eines >Campus der Musik< ( Anregung des AK vom 10.02.2010 ).

Das Entree’ in die Stadt bedarf im Zuge der Welschnonnenstraße/ Sandkaule dringend einer städtebaulich – gestalterischen Aufwertung, die sich über die Berliner Freiheit zum Belder- berg und zur Oper fortsetzen müsste.

Das 1845 errichtete Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz steht vor dem damaligen Palais Fürstenberg, auf dessen Balkon seinerzeit zur Einweihung das Kaiserpaar und Königin Viktoria von England standen. Nach Übernahme des Palais durch die kaiserliche Post ist das historisch bedeutsame Gebäude bis heute eine profane Poststelle geblieben.

Der Arbeitskreis regt für das Palais eine Nutzungsänderung an , dergestalt, dass hier eine adäquatere Einrichtung Platz findet, wie z.B. das Stadtmuseum mit Informationsangebot zu allen bedeutenden Bonner Komponisten und dem aktuellen Musikleben, wofür sich dieser gegenüber dem Münster gelegene zentrale Ort, der zum Beethovenfest besonders akzentuiert werden könnte, hervorragend eigenen würde.

Für den Fall einer möglichen Verlagerung des Stadtmuseums böte sich dem im Stadthaus unbefriedigend untergebrachten Stadtarchiv ausreichend Raum im Quartier Viktoriabad an.

6. Zusammenfassung

Die dargestellten Einzelelemente sind in ein Konzept auf der Basis des historischen Stadtgefüges zusammenzuführen, auf dessen Grundlage sich die bis zum Quartier Wilhelmstraße/ Beethovenhalle reichende Innere Stadt weiterentwickeln kann.

Die von Grünräumen kranzartig umsäumte Innenstadt wird durch alleeartige Avenuen erschlossen, wodurch der reine Verkehrsstraßencharakter zurückgedrängt werden soll.

Zwischen Altem Zoll und Beethovenhalle soll sich der Fußgänger auf einer verkehrsberuhigten, gärtnerisch gestalteten Promenade bewegen, die ein vielfältiges Angebot an Aufenthaltsfunktionen, wie Gastronomie, Rheinschifffahrt, Touristikinformation etc. bietet und in die Oper und Musik – Campus Beethovenhalle besondere Anziehungspunkte darstellen.

Der Bahnhofsbereich erfährt in Anlehnung an die alte Randkontur der gründerzeitlichen Bebauung eine grundlegende Umgestaltung, in der Neubauten und der ZOB sowie eine attraktive Freiraumgestaltung harmonisch aufeinander abgestimmt sind und der von Durchgangsverkehr des IV frei ist.

Für den Arbeitskreis Bonn, den 19.11.2010/ 28.02.2011

Manfred Borschdorf

 

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